Christopher Street Day: Straßenfest in Oldenburg (06/10)
„Die Linken sollten hier auch einen Stand haben“, höre ich einen jungen Mann sagen,
der im Vorbeigehen die leuchtend roten Jacken meiner Begleiter mit der linken Aufschrift entdeckt.
Ein Lächeln, eine Handbewegung, dann unbekümmert fröhlich: „Ach, da sind sie ja!“
Selbstverständlich waren die Linken beim weltweit in vielen Ländern stattfindenden Christopher
Street Day, der in englischsprachigen Ländern „Gay pride“ genannt wird, vertreten, steht sie
doch für Vielfalt statt Rollenzwang und gegen jegliche Diskriminierung. Die Gleichberechtigung
schwuler, lesbischer oder bisexueller Menschen ist in unserer Gesellschaft immer noch nicht
überall angekommen. Manche Leute hegen nach wie vor Vorurteile gegen alles, was „anders“ ist.
Nicht nur Homosexuelle werden von dem ein oder anderen leider noch skeptisch beäugt oder offen
abgelehnt, sondern vor allem Transsexuelle und Transvestiten haben es hierzulande nicht immer leicht,
von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Umso schöner wirkten die stolz zur Schau getragenen Kostüme,
die dem grauen Junitag ein wenig Farbe verliehen.
Der Kreisverband der Linken in Oldenburg beteiligte sich mit einem Infostand am
Straßenfest, das nach der Parade stattfand. Einige GenossInnen aus dem Oldenburger
Land ließen es sich nicht nehmen, den Stand zu besuchen und ihre Unterstützung anzubieten.
Heißer Kaffee, ein Dach über dem Kopf und nette Gespräche schlugen dem Wetter ein Schnippchen.
Zuweilen leuchtete ein buntes Meer von Schirmen vor den Ständen und der Bühne.
Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Trotz der regnerischen Kühle genossen die
Besucherinnen und Besucher das bunte Treiben. Männlein und Weiblein aller Altersklassen
feierten, was das Zeug hielt, und zeigten der Welt, dass es mittlerweile einfach
selbstverständlich sein sollte, niemanden wegen seiner sexuellen Orientierung oder
seines Lebensstils auszugrenzen. Der Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag wurde in Oldenburg zum 16. Mal
veranstaltet, aus dem ganzen Nordwesten waren Menschen angereist, um daran teilzunehmen.
Auch die Liberalen, selbst mit einem pompösen Stand vertreten, gaben sich als weltoffene
und tolerante Verfechter von Rechten Homosexueller. Allerdings ließen die sich nicht auf den
Arm nehmen, wie Buttons mit eindeutiger Botschaft auf den Jacken zeigten:
Die Aufschrift „Gays against Guido“ (Schwule gegen Guido) kündete von dem Misserfolg der FDP, aus
diesem bunten Heer die dringend notwendigen Wählerstimmen zu fischen.