Lesen, hören, ansehen (04/10)


Sachbuchtipp: Absolut empfehlenswert ist das relativ schmale Büchlein von Roger de Weck: "Nach der Krise". Er beschreibt auf unterhaltsame Weise die Ursachen der Krise und realistische Maßnahmen, mit denen der entfesselte Kapitalismus in den Griff zu kriegen wäre. Dabei kommt er zu jeder Zeit auf den Punkt, setzt allerdings ein grundlegendes Wissen über wirtschaftliche Vorgänge und Zusammenhänge voraus. Kennt man sich ein bisschen in dem Bereich aus, kann man eine Menge an gebündeltem Wissen und schlagkräftige Argumente aus der Lektüre ziehen.

Lesetipp: Endlich hab ich es auch geschafft, mir Hape Kerkeling "Ich bin dann mal weg" zu Gemüte zu führen. Der Erfahrungsbericht über die seine Pilgertour über den Jakobsweg ist zum Brüllen komisch. Tiefsinnige philosophische Erkenntnisse darf man freilich nicht erwarten, aber die Schreibe ist kurzweilig und witzig.

Fototipp: Stöbert mal bei www.rebellenherz.de. Hier finden sich schöne Landschaftsaufnahmen und einige ansehenswerte Low-Key-Bilder. Klemens, wir wollen mehr sehen!

Musiktipp: Auf meine Münchenreise hat mich das letzte Album von Lacrimosa begleitet. "Sehnsucht" ist in opulente Orchesterklänge gebetteter softer Dark-Metal und bestimmt nicht jedermanns Sache. Gewöhnungsbedürftig bleiben Tilos Gesang und sein - nun ja - gewöhnungsbedürftiges Englisch. Aber die Kompositionen hauen es raus, ganz sicher!
Beispielsweise der Song "Die Taube", der von einer tragischen Geschichte erzählt, in der ein Mann, um seine Mutter zu beschützen, seinen ihm unbekannten Vater tötet, verursacht eine unsagbare Gänsehaut. Wenn man sich auf das nicht ganz Gewöhnliche einlassen kann, eine Schwäche für Klassik hat, die durch E-Gitarren verfremdet wird und poetische Texte schätzt, wird ein zauberhaftes musikalisches Schmuckstück entdecken. Das Besondere: Einige Songs sind so eingängig wie Popsongs, ohne dabei gleichermaßen oberflächlich zu sein. So kommt die Schwere des Orchesters plötzlich ganz leichtfüßig daher, um lange Zeit nicht wieder aus den Ohren zu verschwinden.

Anhörenswert sind auch Scala: Ein Chor, der aus lauter pubertierenden Mädels besteht und Hits der Gegenwart präsentiert. Ganz zarte Stimmen, wunderbar aufeinander abgestimmt, dazu Piano-Begleitung - und schon erstrahlen Wolfsheim, Rammstein und Depeche Mode in einem vielstimmigen Glanz. Das, was die Harmonie ausmacht, weckt auch ein bisschen Melancholie - aber gegen die unerträglich hochtrabend trällernden Jungs von Adoro klingen diese Engelsmädchen wie die Himmelsglocken höchstselbst!

Im Übrigen erinnern mich solche Chöre immer an die wunderbaren Jungs von Les Poppys. Diese kleine Franzosen waren lange vor meiner Zeit singende Überflieger, man findet sie aber immer noch bei youtube. Wenn ich die als Kind gehört habe, wusste ich wieder, warum ich mir sieben Jahre lang Französisch-Unterricht angetan habe! Und das, obwohl wir nur Crèpes-Rezepte analysierten und seltsame kleine Büchlein lasen!

Ich wünsche euch allen wundervolle Ostertage!