Müllermilch schmeckt nach radikalem Kampf (05/10)
Die Entscheidung vor dem Kühlregal im Supermarkt fällt mir nicht schwer:
Ich kaufe schon seit Jahren nur Joghurt, auf dem nicht Müllermilch oder
Weihenstephan steht. Selbst die raffiniertesten Geschmackskonzepte
könnten mich nicht dazu bringen, von meinem Boykott abzuweichen.
Leider begegnen mir aber immer noch erstaunte und fragende Augen,
wenn ich meine Beweggründe zu dieser Entscheidung publik mache.
Aus diesem Grund möchte ich nochmal wiederholen, welche der
Zutaten in einer Müllermilch auf der Verpackung ausdrücklich nicht genannt werden.
Im Rahmen des bundesweiten Milchlieferstopps 2008 hatten vor den Molkereien Müllers
demonstriert, nachdem dieser im Frühjahr 2008 mithilfe seiner außerordentlich großen
Marktmacht eine deutliche Preissenkungsrunde eingeleitet hatte, die die Existenz zahlreicher
Bauern massiv bedrohte. Im Nachgang hatte Müller mit der Begründung, ihm seien durch die
Demonstration erhebliche wirtschaftliche Schäden entstanden, den Klageweg beschritten,
um die betroffenen Bauern unter Druck zu setzen. Müllers Forderung: Die Bauern sollten
sich verpflichten, niemals wieder vor einem seiner Betriebe zu demonstrieren und zu den
Machenschaften des Milchmonopolisten zukünftig zu schweigen. Weil Bauern sich gegen die
Zerstörung ihrer Existenz durch eine radikale Preispolitik, die sie selbst nicht
beeinflussen können, wehrten, haben sie nun Klagen am Hals, mit denen Müller sie
in die Knie zwingen will. Sie brauchen unsere Unterstützung in Form von Spenden
und gelebter Solidarität, um ihren Kampf weiterverfolgen zu können.
Jeder Verbraucher möge beim Einkauf daran denken, mit welch zwielichtigen und rabiaten
Methoden die Produkte vor ihm in den Regalen verfeinert wurden. Müllermilch schmeckt
nach rücksichtslosem Machtwahn und Geld, das auf Kosten vieler Bäuerinnen und Bauern
und ihren Rindern, (deren Lebensbedingungen sich durch steigende Produktionskosten
ebenfalls verschlechtern), erbeutet wurde. Der so bekannte Slogan „Müllermilch,
die schmeckt...die weckt, was in uns steckt“ klingt für die Milchviehhalter in
unserem Land eher nach „Müllermilch, die zerstört...zerstört, was uns gehört!“