Paul Coelho: Elf Minuten (05/10)Nein, nein, nein – dieses pseudoerotische Machwerk ist von vorn bis hinten ein Griff ins Klo.
Die platte Handlung nach Pretty-woman-Vorbild, in der das südamerikanische Naivchen
(Herrgott, nicht mal ihr blöder Name ist bei mir hängen geblieben) aus dem Wunsch nach
einem gutsituierten Leben heraus zur Prostituierten in der Schweiz wird und sich in den
Maler (Oh je, seinen Namen hab ich auch schon wieder vergessen) verliebt, lässt auch kein
Klischee aus: Rassige Brasilianerinnen, die zum Samba die Hüften schwingen, Freier, die
sich nur zum Reden eine Käufliche holen, betrübte Liebesdienerinnen, die von ihrer
plötzlich entdeckten Vorliebe für Bondage und Gewalt schwer geschockt sind und ein klebrig süßes, schmieriges Ende.
Ganz fehlplatziert wirken Marias (Ach, genau, so heißt sie), Tagebucheintragungen,
die mit großem philosophischen Anspruch daherkommen, dabei aber längst bekannte
Lebensweisheiten unangenehm plump präsentieren. Die Sache mit dem phallusförmigen
Peitschengriff (Freud lässt grüßen) macht es nicht besser und die Liebesgeschichte
mit dem Showdown am Flughafen ist einfach nur grottenschlecht.
Die Figuren sind
überdies nicht mal in ihren Grundzügen wirklich individuell angerissen, die
Sprache ist ein einziges Kitscharsenal. Der Versuch eines Mannes, sich in die
weibliche Libido hineinzudenken, darf wohl als gescheitert betrachtet werden.
Mit „Wir schalten jetzt mal unser Hirn ab und geben uns ganz und gar hin“ ist es
nicht getan und in den Gedanken einer Frau gibt es eben doch etwas mehr als den
geradlinigen Weg von würgender Abschau über stoische Gleichgültigkeit hin zu
exzessiver Wollust. Dass schon die erste Liebe und die erste verpasste Gelegenheit
ein lebensbeeinflussendes Trauma auslöst, ist unglaubwürdig genug. Dass aber
ausgerechnet ein langhaariger Künstler das Trauma der emotional gebeutelten
Hure auflöst, übertrifft an Lächerlichkeit sogar die unfreiwillig komisch
wirkende Szene mit der (besagten) Peitsche.
Man besorge sich ein Pornoheft, am besten ein SM-angehauchtes,
einen Stadtplan von Zürich, einen Pilcher-Roman (für die Dialoge) und ein
halbes Dutzend lieblos hingeklatschter Ölbilder – schon hat man das Potpourri,
aus dem der (angeblich immer elf Minuten dauernde) Akt bei Coelho gemixt ist.
Der Rest ist peinliches Schweigen.