Kocht Roland jetzt? Ein paar Jobvorschläge für eine Zukunft ohne Politik (05/10)



Nach der überraschenden Ankündigung seines Rückzugs aus der Politik stehen dem scheidenden hessischen Ministerpräsidenten alle Türen offen. Zwar wird er fraglos den Weg in die Wirtschaft einschlagen, der auch Gas-Gerd nach einer schweren politischen Niederlage zu einem dickeren Bankkonto verholfen hat, aber es gäbe doch eine Reihe von Jobs, die der Wirtschaftsjurist ausüben könnte. Hier einige Beispiele:

Stuntman
Grundlegende schauspielerische Fähigkeiten scheinen dem „Bösewicht“, (wie der Spiegel titelte), in die Wiege gelegt. „Cool“ und „souverän“ bezeichneten TV-Journalisten die Darbietung seiner Ankündigung, sämtliche Ämter hinzuschmeißen, großes Brimborium um einen „brutalstmöglichen Abgang“, eine Inszenierung vom feinsten im mittelgroßen Staatstheater. Aber nicht nur die Show gelingt dem Konservativen mit dem feisten Grinsegesicht aus dem Effeff, er hinterlässt auch, ganz nach Stuntman-Manier, ein Schlachtfeld. Nach seinem rührenden „Politik-ist-nicht-mein-Leben“-Abschied bleibt Hessen mit Rekordneuverschuldungen und schmerzhaften Rückschritten bei Schul- und Energiepolitik zurück. Typisch Stuntmen: Richten ein Desaster mit ihren spektakulären Shows an, lassen sich überschwänglich für ihre großartigen Leistungen loben und aufräumen dürfen die anderen.

Schneider
Roland Koch hat Übung im Kürzen. Ob Röcke, Hosen, Mäntel oder Bildungsausgaben – alles, was ihm nicht in den neoliberalen Kram passt, wird – schnippschnapp – einfach abgesäbelt. Diese Neigung entspräche auch ganz klar seinem vermuteten Vorhaben, Großunternehmen zu erklären, wie sie durch Arbeitsplatzabbau noch mehr Taler scheffeln können. Allerdings würde er nicht einmal in diesem Job in die Reihe ganz vorn aufsteigen, denn der Stoff, aus dem die schwarzen CDU-Kassen gewebt sind, flatterte Roland Koch all die Jahre ungekürzt um die Beine. Scheint, als sei es einfach sein Schicksal, auf ewig die zweite Schere...äh...Geige zu spielen.

Reinigungskraft
Mit (ökologisch bedenklichen?) Putzmitteln und Wischmopp auf in die glorreiche Zukunft! Roland Koch ist bekannt als penibler Säuberer. Er würde gewiss jedes Eckchen gewissenhaft von Müll, Dreck und Staub befreien! Umso mehr, da er in der politischen Vergangenheit seine Vorstellungen von Ordnung nicht immer so durchsetzen konnte, wie er sich das gewünscht hat. Die ganzen Ausländer waren einfach nicht aus dem Land rauszukriegen und das Hartz-IV-Empfänger-Geschmeiß wuselte ihm ärgerlicherweise gerade dann vor die Füße, als er von einem sauberen Hessen träumte. Mach dir nichts draus, Roland! Selbst die beste Hausfrau erwischt nicht alle Staubmäuse!

Zauberer
Eine peinliche Wahlschlappe in einen scheinbar grandiosen Sieg zu verwandeln, das gelingt nur Roland Koch! Neben seinem Coup, den 2008 erlittenen Absturz rotzfrech als Erfolg zu verkaufen, nehmen sich die Vorführungen von Houdini und Copperfield wie zweitklassige Amateurvorstellungen aus. Was sehen wir als nächstes von dem hessischen Ehrgeizling? Kartentricks mit gezinktem Blatt? Im Ärmel versteckte Tücher? Die scheinbar ohne Hilfe und auf wundersame Weise durchgeführte Befreiung aus einem Tauchbecken mit gefesselten Händen und Füßen? Schade nur, dass heutzutage jeder weiß, dass Zauberer ihre spektakulären Tricks simpler Täuschung verdanken. Auch darin nimmt Roland Koch sich großartig aus – und warum auch nicht, wenn trotzdem alle begeistert klatschen?

Schriftsteller
In diesem Bereich behaupten sich zuweilen auch die Pfeifen – wenn sie genügend Fans haben. Eine nicht zu unterschätzende Masse von Seiten des rechten Unionsrands trauert dem designierten Ex-Ministerpräsidenten hinterher. Für all jene sollte er ein Buch schreiben. Schreiben soll auch therapeutische Funktionen haben: Für die Aufarbeitung des Traumas, es nicht bis in den Kanzlersessel geschafft zu haben. Was gegen die Frustration nicht hilft, ist die bockige Schutzbehauptung, es sei ein Privileg, dass man „selbst entscheiden kann, wann es gut ist.“ Ganz besonders dann nicht, wenn „gut“ nicht das Attribut ist, mit dem ein Ministerpräsident auf die elf Jahres seines Wirkens zurückblicken darf.

Astronaut
Manchmal bleiben sie oben...