Albrecht Müller: Meinungsmache (04/10)Wie Wirtschaft, Politik und Medien und das Denken abgewöhnen wollen
(In Zusammmenarbeit mit Wolfgang Lieb)
Albrecht Müllers 2009 veröffentlichtes Werk ist in jeder Hinsicht gewaltig: Nicht nur,
was die unbeschreibliche Fülle an Fakten und die bloße Zahl der Seiten angeht, die einen
eher langen Atem benötigen, um aufmerksam studiert zu werden: Hier bringt ein fachlich versierter
Volkswirt auf den Punkt, was wir schon immer wussten, aber nicht in Worte zu fassen vermochten:
dass Wirtschaft, Medien und Politik uns manipulieren und wie sie es tun. Müller stellt keineswegs
abstruse Theorien auf, sondern er führt logisch nachvollziehbare Fakten auf, die mit reichlich
Zahlenmaterial untermauert und empirischen Vermerken belegt werden. Trotzdem ist der fast 450 Seiten
dicke Band mehr als ein Nachschlagewerk und alles andere als eine Bibel für Sozialisten. Er ist eine
in sich geschlossene Betrachtung unserer gegenwärtigen Gesellschaft, in der alle Bereiche der
Meinungsmache von den Machern in der Wirtschaft über die Handlanger in der Politik bis hin zu den überall
involvierten oder schlicht unfähigen Vertretern der Medien bis auf die nackte Haut entblößt werden.
Denn das ist die Kernbotschaft: Die großen Wirtschaftskonzerne haben jegliche
Hemmungen verloren, sie tanzen wie im Wahn ihren verrückten Tanz auf den Finanzmärkten
dieser Welt, der neoliberale Wahn hat nicht nur Einzug gehalten, sondern jede Ecke des menschlichen
Daseins erobert. Die Medien haben ihre einstige Aufgabe, neutral und umfassend zu informieren, ad
acta gelegt, weil auch sie Teil dieser wirtschaftlichen Macht geworden sind. Die Berichterstattung ist
selektiv und manipulativ – und sie ist so geschickt gemacht, dass der Bürger, der sich für mündig und
aufgeklärt hält, es nicht einmal merkt. Die Politiker sind nur noch Handpüppchen, an deren Fäden die
ökonomisch vermögenden Macher willkürlich ziehen. Die Zeche dieser Verstrickungen, Verflechtungen und
Ausrichtungen auf die ausschließlich finanziell motivierten Ziele der superreichen und monopolistischen
Konzerne haben wir zu tragen. Auch diese Behauptung erläutert Albrecht Müller ausführlich anhand der
Wirtschaftskrise, die durchaus zu verhindern gewesen wäre, anhand unserer längst nicht mehr unabhängigen
Hochschullandschaft, anhand des Standes unseres ausgehöhlten Sozialsystems, das sich nur noch auf dem
Papier ins Kleid der Sozialdemokratie hüllen darf. Wir werden systematisch, absichtlich und sehr clever
belogen – und Albrecht Müller beweist dies in seinem Buch, indem er Behauptungen, die wir alle kennen,
anführt und überzeugend widerlegt. Er bringt Beispiele dafür, wann und womit man uns bewusst die Unwahrheit
erzählt hat und erbringt für dieses Behauptungen Nachweise, die selbst der gewiefteste Manipulator nicht
mehr zu widerlegen vermag. Statt der üblichen Schaumschlägerei finden wir hier überzeugende, knackig mit
Zahlen und Fakten bewiesene Argumente, die der verschütteten Wahrheit einen großen Dienst erweisen.
Hinter diesem Opus stecken ein offensichtlich umfassendes Hintergrundwissen und eine vorbildliche
Recherchearbeit, die für jeden, der den Kampf gegen den stumpfsinnigen Mainstream politisch Verdrossener
aufnehmen möchte, Gold wert ist.
Neben diesen umfassenden Informationen zu Vernetzungen zwischen Wirtschaft und Politik,
den politischen Entscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte und deren Hintergründe und
den Erläuterungen über das Versagen der Medien sowie der Bedingungen, die zu diesem Versagen
geführt haben, liefert Müller auch einen knackig präzisen Katalog zu den Methoden und Strategien
ab, mit denen das Volk systematisch verdummt wird, damit es die Füße stillhält und angesichts der
mittlerweile unzumutbaren Verhältnisse nicht eine Revolution anzettelt, um sein Missfallen zu bekunden.
Verständlich und beispielhaft führt Müller jedes Mittel an, mit dem wir uns vor Fernseher, Radio, Zeitung
und Internet konfrontiert sehen, mit dem wir beeinflusst werden, ohne es zu wissen. Uns wurde das Denken
nicht nur aberkannt, sondern ganz gezielt mit der neuen Masche der Unterhaltungsindustrie vernebelt. Umso
fruchtbarer sind die psychologisch ausgeklügelten Methoden, mit denen unser nun leerer und des selbstständigen
Denkens müder Kopf verwirrt und befüllt wird. Nach der Lektüre des Buches, das auch die hirnphysiologischen
Grundlagen einbezieht, liegt die Manipulation so klar auf der Hand, dass der Leser in der Lage ist, jeden einzelnen
Satz, den er sieht, hört oder liest, auf seinen Manipulationsgehalt hin zu deuten. Und alle, die bisher das Gefühl
hatten, dass „etwas nicht stimmt“, ohne dieses Unbehagen näher beschreiben zu können, finden hier endlich Erklärungen,
die Hand und Fuß haben. Mehr noch: Müller gibt uns den einzig möglichen Ausweg an die Hand: Indem wir Gegenöffentlichkeiten
schaffen, können wir uns gegen die verdummende Meinungsmache wehren, aufklären und informieren, ohne gleich in die Ecke der
sozialromantischen Spinner oder kommunistischen Revolutionäre gestellt zu werden.
Dieses Buch unterstützt und weckt Hoffnungen für all jene, die ihre Zeit und Energie dafür verwenden,
unermüdlich diese in gefährliche Schieflage geratene Gesellschaft wieder ins Lot zu bringen, und dafür
nur Schelte neoliberaler Gierhälse oder schlicht dummer Möchtegernökonomen kassieren. Es zeigt, dass
der einst hochgelobte und inzwischen verreckende Raubtierkapitalismus allen Unkenrufen zum Trotz absolut
ausgedient hat, weil er gemäß seiner Natur versäumte, das rechte Maß zu bedenken. Eine Gesellschaft, die
von solchen Extremen zerrissen ist, kann nicht auf Dauer am Leben erhalten werden. Diese Gesellschaft besteht
aber nicht aus einzelligen Pantoffeltierchen, die des Denkens weder mächtig sind, noch seiner bedürfen: Sie
setzt sich zusammen aus Menschen, die selbst bestimmen sollen und müssen, welchen Weg wir in Zukunft gehen
sollen. Menschen, die sich gegen Manipulation aller Art zu wehren können – wenn sie es wollen. Wer dies nach der
Lektüre von Albrecht Müllers hervorragender Arbeit nicht will, der kann nur eins sein: ein Großunternehmer, ein
geschmierter Politiker, ein unter Druck gesetzter Journalist oder ein Pantoffeltierchen in menschlicher Gestalt.
Wer das jedoch will, darf sich durchaus der mächtigsten Waffe bedienen, die uns zur Verfügung steht:
der unabhängigen Information. Albrecht Müller hat diese Waffe für uns geschmiedet und rundum poliert,
sodass sie im Kampf gegen Unmündigkeit und Gehirnwäsche wie ein vielversprechender Leitstern zu glänzen vermag.
Albrecht Müller betreibt im Internet die Nachdenkseiten.