Filmrezension: Sin City (12/09)
Mehrere einzelne Episoden zeigen das Leben der Menschen in der düsteren Stadt Sin City, in der Korruption, maßlose Gewalt und unvorstellbare Perversionen vorherrschen. Die Verfilmung des gleichnamigen Comics von Frank Miller gilt als Revival des legendären Film Noir. Der Film ist in Schwarz-Weiß-Bildern gehalten, die starke Kontraste aufweisen, nur einige prägnante Stellen sind farblich hervorgehoben. Zugegeben, man muss sich vorurteilsfrei auf ihn einlassen, aber wer Skurriles fernab vom Mainstream mag, wird sich an den kunstvollen Bildern kaum satt sehen können. Eine ruhige, fast stoische Kameraführung, die sanfte Schnitttechnik und Szenen, die wie in Stein gemeißelt wirken, vermitteln den Eindruck, tatsächlich einen Comic oder ein sehr merkwürdiges, aber ausgesprochen aussagekräftiges Fotoalbum anzuschauen. Es ist diese Art von Bildern, die gern jeder Fotograf in seiner Sedcard hätte. Und es ist alles drin: morbider Humor, Action, menschliche Gefühle wie Liebe, Rachegelüste, Hass, Hoffnung und Gier, klassische Spannungsbogen in den einzelnen Geschichten – nicht besonders anspruchsvoll, aber sauber ausgeführt. Die Handlungsstränge sind logisch und es schließt sich am Ende sogar ein Kreis, was für die handwerkliche Sorgfalt der Macher spricht. Absolut ungeschlagen: Benicio del Toro als Bösewicht Jack Rafferty und Bruce Willis als rettender Engel Hartigan. Rührend: die Zuneigung zwischen der kleinen Nancy und ihrem Retter, der sich am Ende für sie opfert. Dämonisch: die Ahnung, dass Film und Realität – wenn auch unter dem Vorbehalt der maßlosen Übertreibung – zumindest doch auf symbolische Weise gar nicht so weit auseinander liegen. Die flach gehaltenen Figuren sind vermutlich Absicht: sie stehen für Archetypen, die ein ganzes Arsenal psychischer Auswüchse darstellen, aber nicht erklären sollen. Kritisieren könnte man eine allzu offensichtliche Klischeehaftigkeit: hässliche Bösewichte, gutaussehende Großstadthelden, halbnackte Nutten in Lack und Leder, die ihre knappe Unterwäsche mit Knarren vollgestopft haben, als exotischer Leckerbissen die schweigsame, aber mörderische Miho, die mit ihrem Samurei-Schwert und ihrem Morgenstern allzu eindeutig bei „Kill Bill“ abgekupfert wurde. Aber der Aspekt liegt ausschließlich und bewusst auf der künstlerischen Umsetzung der Geschichte, die primitiv sein muss, um der Szenerie nicht die Show zu stehlen. Für Zuschauer, die das Besondere lieben und das immer wieder Abgewohnte nicht zum hundertsten Mal sehen wollen, ein Juwel in der DVD-Sammlung.