Filmrezension: Che – Revolución (12/09)
Monate, bevor die DVD erschien, bestellte ich diesen Film bereits,
in Hoffnung auf ein großartiges Event. Das Leben des Ernesto Guevara,
made in Hollywood - ich lauerte geradezu darauf! Wie der Mensch Guevara war,
hoffte ich zu erfahren, seine Visionen, Wünsche, Träume und Ängste.
Dass der argentinische Arzt von Oscar-Gewinner Benicio del Toro gespielt wird,
war ein zusätzliches Schmankerl, ist er doch einer der besten Charakterdarsteller,
den die Filmfabrik zu bieten hat. In der Tat ist del Toro großartig. Sein stets
melancholisch umwölkter Blick, seine weich fließenden Bewegungen, seine unglaubliche
körperliche Präsenz – für einen wie ihn ist es scheinbar ein Leichtes, einen Mann wie
Guevara zu verkörpern, obwohl er genau gewusst haben muss, dass seine Darstellung des
weltbekannten, umstrittenen und symbolschweren Revolutionärs von der Kritik einer sehr
genauen Prüfung unterzogen werden würde.
Aber – und es tut mir wirklich weh, das zu
sagen – del Toros hingebungsvolle, fast zärtliche Darstellung des jungen Che rettet nichts.
Der Film, so vielversprechend erscheinend, ist von der ersten bis zur letzten Minute grottenlangweilig.
Anstatt den Menschen und Guerilla zum Thema zu machen, etwas über das Leben der Menschen
damals in Kuba zu zeigen oder auch nur eine einzige tiefergehende Szene zu zeigen,
dominieren lediglich zwei Settings: schmutzige Männer, die durchs südamerikanische
Unterholz streifen und schmutzige Männer, die sich in – leider typischer – Actionfilmmanier
Kugeln um die Ohren hauen.
Keine Frage, in einer Revolution gehört der Kampf dazu.
Aber er wird gemixt mit oberflächlichen Gesprächen, gänzlich fehlender Menschlichkeit
und einer Menge Leerstellen, die derart umfassend sind, dass sie nur schwer durch die
Phantasie des Zuschauers gefüllt werden können. Für einen Actionfilm ist das Thema zu gewichtig.
Ein Drama hätte es sein sollen, aber Dramatik ist an keiner Stelle erkennbar.
Wäre der Film ein Interpretationsaufsatz, stünde wohl darüber: „Thema verfehlt“.
Schade, dass del Toros hübscher Hintern das einzig Sehenswerte an dem Film bleibt.