Filmrezension: Das Phantom der Oper (12/09)
Wer auch nur ein bisschen
romantisch veranlagt ist - offen oder im Geheimen -
wird die ganzen 35 Minuten sehnsuchtskrank vor sich hinseufzen! Ich mit meiner Vorliebe fürs
Maßlose, Schmalzige und Dekadente war jedenfalls sofort hin und weg! Schon nach einer halben Stunde
hauchte ich: "Mein Gott, ist der schön!" und meinte das erhaben und edel von Gerard Butler gespielte Phantom.
Meine Freundin stimmte dem zu und meinte den Film. :-)
Zum Geburtstag bekam ich von meiner Freundin einen Besuch im gleichnamigen Musical geschenkt.
Wir merkten allerdings erst später und zu unserem großen Bedauern,
dass das Stück derzeit in Deutschland nicht aufgeführt wird.
Also brachte meine Freundin just den Film mit und
wir klebten mit Kind und Kegel vor der Glotze, um die tragische Liebesgeschichte zu verfolgen.
Der Film aus dem Jahr 2004 hält sich eng an seine Musicalvorlage,
weswegen auch kaum gesprochen, sondern fast nur gesungen wird. Das Chormädchen Christine macht mit
Hilfe ihres Engels der Muse, einem entstellten
Mann, der tief in den Katakomben der Pariser Oper lebt, auf der Bühne Karriere.
Leider nimmt ihr das Phantom ihre Liebe zu dem Vicomte Raoul übel.
Zwischen Masken, Kerzen, opulentem Gesang und Kellergewölben entbrennt ein Kampf um die junge Sängerin, der tragisch endet.
Die Musik von Andrew Lloyd Webber, weltbekannt und wohl einzigartig, ist das Gerüst, auf dem Plot,
Figuren und die üppige Ausstattung aufbauen. Raoul, blass und eindimensional,
wurde von der Tochter meiner Freundin recht bald als „Graf Rotz“ tituliert.
Christine trällert zwar ganz süß und nett, aber ihr ist einfach nicht zu verzeihen,
dass sie, statt sich dem überwältigend leidenschaftlichen, reizvoll düsteren,
trotz der Entstellung wunderschönen Phantom hinzugeben, am Ende mit dem öden
Raoul die Kurve kratzt, um ein vermutlich langweilig konventionelles mysterienfreies
Dasein zu fristen. Das Phantom der Oper, ungeheuer anziehend in seinem hemmungslosen
Wahn, hingegen singt, heult und tobt mit voller Kraft. Wenn Gerard Butler im schwarzen
Anzug und seiner Maske beraubt in wildem Zorn mit einem Kerzenständer Spiegel zerstört,
tränenüberströmt rote Rosen zerknüllt oder hoch erhobenen Hauptes und ganz in rot gekleidet
eine Treppe hinab schreitet, weiß ich wieder, warum mir alle Brad Pitts, George Clooneys oder
Robert Pattinsons dieser Welt gestohlen bleiben können!
Aber so sind sie, die Frauen! Da kommt einer daher und verspricht ihnen ein Leben in
Sicherheit und Sorglosigkeit und schon lassen sie alle Abenteuer sausen.
Obwohl der Film also ein Ende hat, mit dem ich mich nicht anfreunden kann
(was für das Musical ebenso gilt), ist er ein sehenswertes Spektakel.
An dieser Stelle sei an den unvergesslichen Steve Barton erinnert,
der in London sowohl den Raoul als auch das Phantom spielte, bevor er 2001 viel zu früh starb.
In seinen Glanzstunden stand er im Musical „Tanz der Vampire“ als Graf von Krolock auf der Bühne.
Sein markanter, samtiger Bariton und seine unbeschreibliche Ausstrahlung suchen seit jeher vergeblich ihresgleichen.