Buchrezension: Veronika beschließt zu sterben von P. Coelho (12/09)
Veronika ist Slowenin, 24 Jahre alt und hat das Leben satt.
Ihr Selbstmordversuch missglückt allerdings und sie kommt in einer
Irrenanstalt wieder zu sich. Zunächst hält sie an ihrem Vorhaben,
sich umzubringen, fest und wartet auf die richtige Gelegenheit.
Doch dann eröffnen ihr die Ärzte, dass bei dem Suizidversuch ihr
Herz derart stark geschädigt wurde, dass ihr nur noch wenige Tage,
höchstens eine Woche, zum Leben bleiben. Nun ist das Mädchen, das
plötzlich, wie zum Trotz, eine nicht geahnte Lust am Leben entdeckt,
vor die Situation gestellt, der wenigen Zeit, die ihr noch bleibt, einen Sinn zu geben.
Veronika stellt sich nicht nur ihren eigenen Gedanken,
sondern sie lernt auch in der Anstalt Menschen kennen,
die einiges in ihrem Kopf anstoßen. So wird auch vom
Erzähler die Geschichte von anderen Insassen erzählt,
die Frage nach dem Leben und seinem Zweck gestellt, der Tod von unten her beleuchtet.
Zwischenmenschliche und gesellschaftliche Konstrukte werden einer gnadenlosen
Prüfung unterzogen, eine innerliche Reifung mehrerer Figuren findet
angesichts des bevorstehenden Ablebens von Veronika statt, sie selbst
eingeschlossen. Eine Woche, in der Veronika Gefühle erlebt, die sie niemals
erahnt hat und in der sie sich selbst in einem ganz anderen Licht betrachtet.
Coelho schreibt flüssig und leserfreundlich. Er streut philosophisches Wissen
auf eine Art ein, die nahezu jedem Leser zugänglich sein dürfte. Ganz besonders toll:
subtiler Spott zwischen den Zeilen, ein Hauch von Satire nur, der sich wie
eine feine Maserung durch die Seiten des Buches zieht. In diesem Buch werden
Gefühle und Gedanken geschildert, die wohl jeder kennt, aber nicht auszusprechen vermag.
Das Verhältnis der Menschen zueinander in einer Gesellschaft, die von Anpassung, Konventionen,
Moral und dem stetigen Druck, immer den Ansprüchen anderer zu genügen, regiert wird,
entlarvt sich selbst als überflüssig. Es ist leicht, eigene Lehren aus dem Roman zu ziehen.
Fast ist die fiktive Freiheit spürbar, wenn das Buch zugeklappt wird, so, als würde es einen durchströmen: Genau SO ist es und nicht anders,
eigentlich keine große Sache, aber auf den Punkt gebracht.
Was das Lesevergnügen etwas getrübt hat, ist das allzu vorhersehbare Ende.
Es ist klar, worauf es hinauslaufen wird und das mindert die Spannung.
Andererseits hat Spannung in einem Buch, das vor allem unaufdringliche und
alltagstaugliche Poesie transportieren und für den Zauber des Augenblicks
gefangen nehmen will, vielleicht auch gar nichts verloren?