Buchrezension: Die Blendung von E. Canetti (12/09)
Die zweifellos überzeugendste Darstellung einer wachsenden Schizophrenie,
die mir jemals untergekommen ist! Bibliomane und Wissenschaftler
Peter Kien hat einen an der Waffel und muss sich mit schrecklich
profanen Menschen herumschlagen, die ihn voll und ganz ruinieren.
Zum Schreien komisch, ein Pandämonium unserer Gesellschaft,
die überzeugende Flucht eines verschrobenen Gesunden in eine verquere und kranke Innerlichkeit.
Viele LeserInnen, sogar – selbst ernannte oder echte – Literaten beschimpfen das Buch als
abartig, frauenfeindlich, eklig, unverständlich, unsinnig, schmutzig, widerlich, abstoßend.
Als langweilig würde es allerdings wohl kaum jemand bezeichnen.
Das Buch besticht durch tief verwurzelte Symbolik, die klassische
menschliche Schwächen deutet – Materialismus, Machthunger,
enthemmte Triebhaftigkeit, die Arroganz der sogenannten Elite,
zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen und schließlich den
Wahn selbst als Ausweg aus einer unerträglichen und trügerischen
Normalität. Echt schrill, um es mit den Worten einer
begeisterungsfähigen Pubertierenden zu sagen, und
dabei doch von Grund auf mit beeindruckender Wahrheit gestempelt.