Buchrezension: Verney oder der letzte Mensch von M. Shelley (11/09)
Was wäre, wenn morgen die Welt ganz und gar ausstürbe und man als einziger Überlebender übrig bliebe?
Was würde dann noch eine Rolle spielen? Welche Bedeutung hätten Kunst und Kultur, Ethik und Moral, Gefühl und Verstand?
Was würde man tun und wofür? Wie soll man als Teil einer Gesellschaft leben, die nicht mehr existiert? Und warum,
so könnte man sich fragen, ist man derjenige Auserwählte, der nicht von der Seuche dahingerafft wurde?
Ganz und gar beklemmend, dieses Buch, es stellt elementare Grundsätze in Frage und
schlägt sich mühsam mit philosophischen Problemen herum, sie seit Jahrtausenden gestellt werden.
Soziologisch gesehen ein Konstrukt der ganz besonderen Art, vielfach Erkenntnis versprechend.
Psychologisch gesehen allerdings eine Katastrophe für einen Mann, der plötzlich unbeschreiblich einsam da steht.
Er sieht sich mit einem Dasein konfrontiert, dass ihm mehr Freiheiten schenkt, als man sich jemals vorstellen kann,
das aber seinen ursprünglichen Sinn verloren zu haben scheint.
Mal einen Tag ohne andere Menschen leben – wunderbar! Aber auf Dauer? Fragwürdiger Luxus. Lieber niemals testen müssen.