Rezension: Teufelsbrück von B. Kronauer (11/09)
Der Hang zum Manierismus steht Kronauer auch in diesem Roman wieder gut zu Gesicht,
stellt er doch einen hübschen Gegensatz zu der eigentlich platten Story dar, in der auf
Hunderten von Seiten fast nichts passiert. Jedenfalls nicht viel in der Außenwelt.
In den Gedanken der Künstlerin Maria Fraulob hingegen geschieht umso mehr. Sie sieht in
Menschen Zauberinnen und Helden, ihr ganzes Leben ist eine einzige Fabuliererei, die
Vögel in Einkaufszentren zum Zwitschern bringt und frühlingshafte Vorgärten in
lebensgefährliche Irrgärten verwandelt. Was oberflächlich wie eine alberne Liebesgeschichte
erscheint – ein Mann zwischen drei Frauen –, wird beim zweiten Hinblick zu einer temporeichen
Achterbahnfahrt, die Abgründe offenbart und genau die Grenzen aufzeigt, die sie zuvor zu
verwischen bemüht ist. Auch hier wieder reizvolle Doppeldeutigkeit auf allen Ebenen:
Vielleicht ist die hoffnungslos verknallte Maria, die einst Mann und Kind durch einen Unfall verlor,
einfach nur ein bisschen plemplem, aber vielleicht ist es auch die Welt um sie herum?
Dass enge Beziehungen zur Romantik bestehen, habe ich in meiner Magisterarbeit zum
Thema hoffentlich hinreichend nachgewiesen. Kronauer hat aber mehr zu bieten: Verweise auf ihre
eigene Poetik, die überall durchschimmert. Eine merkwürdige Art von Humor und regelrechte
Explosionen in der überquellenden Schatzkiste sprachlicher, gestalterischer und stilistischer Mittel.
Und die ganz raffiniert verpackten Ohrfeigen für die Sorte von Menschen, die sich edel geben, aber
nicht so verhalten. Ein Schmuckstück, eher opulent als filigran – aber ganz gewiss etwas wirklich
Innovatives im Bücherregal! Und trotz der Fülle an Vergleichen und Metaphern an keiner Stelle
kitschig, weil die fein eingestreute Ironie sich gleichsam selbst auf die Schippe nimmt.