Buchrezension: Der Vorleser von B. Schlink (11/09)



Die Kritik hat dieses Buch in den höchsten Tönen gelobt. Ein außergewöhnlich gutes Werk habe ich jedoch beim Lesen keineswegs entdeckt. Michael Berg, der sich als Fünzehnjähriger in die wesentlich ältere Hanna Schmitz verliebt, wirkt selbst im Alter noch wie ein unbeholfener Trottel, der nicht glaubhaft darstellen kann, was an dieser Frau anziehend sein soll. Ebenswo wenig erschließt sich sein Gefühl nach der Trennung. Die gesamte Betrachtung bleibt oberflächlich und banal, sie spricht weder das Gefühl noch den Geist an, denn sowohl Beweggründe als auch innere Konflikte werden nicht nachvollziehbar geschildert, sondern in wenigen Worten halbherzig abgehakt. Diese marginale Abhandlung, die das Herz nicht erreicht, findet sich leider nicht nur in der Liebesgeschichte, sondern auch in den Passagen über Hannas Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Das Buch ist kühl, aber nicht souverän. Der Leser wird weder Zeuge einer erotisch ungewöhnlichen Verwicklung noch fühlt er Mitleid für die Analphabetin, die sich aus Scham ihr Leben zerstört hat. Von einer angemessenen Aufarbeitung des gewichtigen Nazi-Themas kann erst recht keine Rede sein. Es passiert sehr selten, aber tatsächlich ist der Film ansprechender gestaltet.

Mein Urteil: Das einzige, was für das Buch spricht, sind die angenehm klare Sprache, die einen raschen Lesefluss ermöglicht und die Tatsache, dass man nicht allzu viel Zeit damit vergeudet, denn das Buch hat nur 200 Seiten.